Nierenstau in der Schwangerschaft

Rückenschmerzen in der Schwangerschaft sind nichts ungewöhnliches. Sind die Schmerzen aber eher in den Flanken oder Lenden, könnten die Nieren Schuld sein.

Nierenschmerzen sind meist im Unterleib rechtsseitig und können sehr unangenehm werden. Oft fühlt es sich auch so an, als sei nur ein Nerv eingeklemmt, aber wenn das unangenehme Drücken und Ziehen nicht aufhört, sollte man zum Arzt gehen. Es könnte nämlich ein Nierenstau für den Schmerz verantwortlich sein.

Aber keine Sorge! In der Schwangerschaft ist ein Nierenstau, auch Harnstau genannt, nichts ungewöhnliches. Sobald der Urin nicht mehr ungehindert von der Niere in die Harnblase fließen kann, kommt es zu einem Stau in den Nieren, woraufhin diese anschwellen und weh tun.

Nierenstau wird auch Hydrophrose genannt und betrifft entweder nur eine oder aber auch beide Nieren. Wenn man den Nierenstau nicht bemerkt oder die Schmerzen nicht ernst nimmt, können noch andere Symptome hinzukommen. Dazu gehört neben dem Ziehen in den Seiten ein stärker werdender Schmerz, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen beim Urinieren und Fieber.

Bei ungefähr 90 Prozent aller Schwangeren kommt es zu einem beschwerdefreien, oft unbemerkten und unbedenklichen Nierenstau, auch leichter Nierenstau genannt.

Nierenstau in der Schwangerschaft
Bei ungefähr 90 Prozent aller Schwangeren kommt es zu einem beschwerdefreien und unbedenklichen Nierenstau.

Inhalt

Ist ein Nierenstau in der Schwangerschaft gefährlich?

Prinzipiell kann man auf diese Frage erst einmal mit Nein antworten.

In der Regel kontrolliert der Gynäkologe bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen mögliche Alarmzeichen für einen Nierenstau und kann diesen gegebenenfalls erkennen und behandeln, bevor es zu schlimmeren Symptomen kommt. Dabei achtet der Arzt bei der Kontrolluntersuchung auf die Lage des Kindes und sieht, ob das Ungeborene auf der Blase der Mutter liegt.

Nierenstaus sind zwar erst einmal ungefährlich, aber sie können dennoch sehr unangenehm und problematisch werden – gerade, wenn man schwanger ist. Aber es ist nicht selten, dass der Nierenstau in der Schwangerschaft eher schmerzlos und ohne Komplikationen auftritt. Oftmals merken die Schwangeren nicht mal etwas davon.

Ein Nierenstau ist keine Krankheit im herkömmlichen Sinne. Vielmehr ist es ein Symptom mit verschiedenen Ursachen. In der Schwangerschaft ist eine Ursache oftmals die Lage des Babys, aber dazu später mehr.

Ist ein Nierenstau gefährlich für das Baby?

Nein, in der Regel besteht keine Gefahr für das Ungeborene. Solange es bei der Mutter nicht zu Komplikationen kommt, ist auch das Baby nicht in Gefahr.

Gefährlich wird es erst, wenn der Nierenstau während der Schwangerschaft zu bakteriellen Infektionen führt. Dann muss sofort gehandelt werden, damit das Baby nicht zusätzlich gefährdet wird. Infektionen können den Muttermund schwächen und das hat wiederum zur Folge, dass die Gefahr für eine Frühgeburt steigt.

Sobald man ein Symptom bemerkt, sollte man demnach gleich einen Arzt aufsuchen, damit dieser den Nierenstau erkennen, behandeln und unnötige Komplikationen verhindern kann. In komplizierten Fällen wird dann relativ schnell mit Antibiotika behandelt. 

Ursachen für ein Nierenstau in der Schwangerschaft

Besonders schwangere Frauen gehören zur Risikogruppe für Nierenstaus. Das liegt daran, dass sich der weibliche Körper und Organismus während der Schwangerschaft sehr verändert und auch das Harnsystem ist von diesen Veränderungen betroffen.

Die Wasseranlagerung im Körper steigt um gut 40 Prozent. Das heißt, die Nieren müssen in ihrer Funktion als Filterstation viel mehr Arbeit leisten als sonst. Die Nierenrinde, das äußere Nierengewebe, filtert die ankommende Körperflüssigkeit und leitet sie in eine Art Sammelrohr in der Niere weiter.

Dieses Sammelrohr wird Nierenkelch genannt. Die Nierenkelche geben die Flüssigkeit an die Nierenbecken ab. Dort werden sie im Normalfall über die Harnwege zur Harnblase transportiert, bis der Urin aus der Blase über die Harnröhe ausgeschieden werden kann.

Durch die vermehrte Flüssigkeitszufuhr im schwangeren Körper und den Einfluss von Hormonen weiten sich die Nierenkelche ab ungefähr der zehnten Schwangerschaftswoche. Selbiges passiert auch mit den Nierenbecken und den Harnwegen, die die Flüssigkeit ableiten sollen.

Gleichzeitig wird die Bewegungsfähigkeit, die sogenannte Peristaltik, der Harnwege träger. Die aktive Muskelbewegung, die zum Abtransport des Harns wichtig ist, wird langsamer. Das alles heißt, dass der Harn viel langsamer von der Niere zur Blase transportiert wird als üblich.

Hinzu kommt, dass das Ganze während der Schwangerschaft noch mehr fortschreitet, da die Gebärmutter und das Baby immer mehr Platz brauchen, bis es zur Geburt kommt. Das führt dann auch dazu, dass die Harnleiter abgedrückt werden – mal mehr und mal weniger stark, das ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Der Harnabfluss wird dadurch gehemmt und es kommt zum Nierenstau.

Dieser ist für Ärzte vor allem an den unnatürlich stark geweiteten Nierenkelchen, Nierenbecken und Harnwegen zu erkennen.

Aber: bei nur ungefähr drei Prozent der schwangeren Frauen wird eine wirklich schwere Form des Nierenstaus festgestellt. In der Schwangerschaft sind die Veränderungen des Körpers die Hauptursache für Nierenstau.

Generell kommen aber noch andere Ursachen, wie zum Beispiel Harnblasensteine, Nierensteine oder auch Blasenkrebs in Frage.

Symptome eines Nierenstaus

Die gängigsten Symptome für Nierenstau: 

  • Rückenschmerzen, vor allem im seitlichen, unteren Bereich. Oft wird der Schmerz auch als Flankenschmerz bezeichnet. Die Schmerzen äußern sich durch ein Ziehen, Stechen oder Drücken im Bereich der Nieren
  • Verringerter Urinausstoß, der unter Umständen auch schmerzhaft sein kann (ähnlich wie bei einer Blasenentzündung)
  • Leichter Druck in der Nierengegend, der nicht als Schmerz wahrgenommen wird
  • Fieber
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Allgemeines Unwohlsein und Erschöpfung, sowie vermehrte Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Infektion der Harnwege oder Blasenentzündungen 

Nierenstau vorbeugen

Gleich vorab: eine optimale, zuverlässige Vorbeugung gegen Nierenstau gibt es nicht. Aber man kann als werdende Mama einiges tun, was den Nieren gut tut. Dennoch können schwangere Frauen nichts dagegen unternehmen, dass das Baby wächst und sich der Körper somit auch verändert.

Generell ist es immer sinnvoll, viel zu trinken. Am besten eignen sich stilles Wasser, Kamillen-, Nieren-, Kräuter- oder Blasentees sowie natürliche Säfte. Cranberrysaft hat sich zum Beispiel als sehr gesund für die Nieren und die Blase herausgestellt.

Kräutertee
Kräutertees helfen einen Nierenstau vorzubeugen

Zudem sollte man auf oxalsäurehaltige Lebensmittel verzichten. Forscher haben herausgefunden , dass vermehrte Oxalsäure in der Nahrung zur Bildung von Nierensteinen führen kann. Zu oxalsäurehaltigen Lebensmitteln gehören unter anderem Rharbarber, Mangold und Spinat.

Ebenfalls sinnvoll ist Bewegung. Als Schwanger ist man nach einer gewissen Zeit natürlich eingeschränkt, was das angeht. Aber schwimmen, spazieren gehen oder Yoga sind auch äußerst gute Bewegungsmöglichkeiten für werdende Mütter.

Mögliche Behandlungen

Ganz wichtig ist, dass man direkt beim Bemerken von einem der Symptome zum Arzt geht. Dieser kann dann relativ schnell reagieren und verhindert somit, dass bakterielle Infektionen auftreten und Mutter und Kind in Gefahr bringen. Besteht schon eine Infektion, kann diese meist mit Antibiotika bekämpft und geheilt werden. Wichtig ist das frühzeitige Erkennen und Handeln. Deshalb lieber einmal mehr zum Arzt gehen, als zu wenig, wenn man eines der Symptome bei sich bemerkt.

Bei einfachem Nierenstau hilft oft auch schon eine Positionsveränderung des Babys, damit der Druck von den Harnleitern und der Blase genommen wird. Das schafft ein Arzt mit vorsichtigen Handgriffen oder massageähnlichen Bewegungen am Bauch.

Entlastend wirkt es auch, wenn die betroffene Schwangere auf der Seite liegt und schläft, auf der es nicht schmerzt. Das geht allerdings nur, wenn nur eine Niere betroffen ist. Bewegung und ausreichendes Trinken ist zudem immer sehr förderlich, auch bei der Behandlung von Nierenstaus.

Bei schwerwiegenden Komplikationen oder Problemen werden in der Regel sogenannte Harnleiterschienen gelegt. Das sind schmale Röhrchen aus Kunststoff, die zur Niere geführt werden. Dadurch kann der Abflussstau im Harnleiter umgangen und der Urin künstlich abgeführt werden. Der Eingriff ist nicht groß und die Harnleiterschiene wird in der Regel wieder entfernt, wenn der Nierenstau nicht mehr besteht. In der Regel wird die Harnleiterschiene über eine Blasenspiegelung eingeführt.

Harnleiterschiene von Coloplast
So sieht eine Harnleiterschiene aus.
Quelle: Coloplast

Auch wenn während der Schwangerschaft viele darauf schwören, wenn es zu Komplikationen und Schmerzen kommt: Akupunktur ist in diesem Fall keine große Hilfe. Der Nierenstau kann durch Akupunktur nicht beseitigt werden. Auch die Verengung des Harnleiters und der Rückstau im Nierenbecken gehen durch die feinen Nadeln nicht weg. Allerdings kann die Akupunktur Schwangere dabei unterstützen, nach dem Nierenstau wieder besser Urin auszuschwemmen.

Hausmittel die helfen

Hausmittel können Nierenstaus nicht aufheben, aber sie können helfen, die Symptome zu lindern. Ein ganz einfaches, aber wirkungsvolles Hausmittel ist und bleibt viel trinken! 1,5 bis 2 Liter am Tag sollten Schwangere zu sich nehmen. Am besten eignen sich Kräutertees, Natursäfte und stilles Wasser. Als Tee eignen sich unter anderme Birke, Goldrute, Schachtelhalm und Brennnessel (Achtung! Nur in Maßen). Diese sind dafür bekannt, den Durchfluss durch die Nieren zu fördern und Bakterien besser auszuspülen. Die Tees wirken ausschwemmend und kurbeln die Funktion der Nieren effektiv an. Selbiges gilt auch für Ananas oder Birnen in roher Form. Ebenfalls gut für die Nieren sind Flavonoide und Vitamin C, beispielsweise aus Cranberrys oder Zitrusfrüchten.

Ananas Guacamole
Gut gegen Nierenstau: Ananas Guacamole
(Ananas mit Avocado mischen, dazu ein Spritzer Limettensaft)

Linderung bei Schmerzen schafft vor allem Wärme, am besten in Form von warmen Wickeln, Heizkissen, Wärmflaschen, Wolltüchern oder Kirschkernkissen. Auch Sitzdampfbäder mit Kamille helfen bei Schmerzen. Die Bäder wirken krampflösend und entzündungshemmend und werden oft auch bei Blasenentzündung angeraten.

Angenehm und gut für die Nierenfunktion sind auch Fußbäder, die nach und nach erhitzt werden. Viele Schwangere schwören auch auf homöopathische Mittel und Schüssler-Salze.

Übungen bei Nierenstau in der Schwangerschaft

Oft von Ärzten geraten wird der sogenannte Katzenbuckel. Hierzu muss die Schwangere in den Vierfüßlerstand gehen und einen Katzenbuckel machen, diesen kurz halten und dann wieder lösen. Diese Übung soll wirkungsvoll die Nieren entlasten. Das liegt vor allem an der Körperhaltung, in der das Baby unten im Bauch liegt und die Niere nicht belastet wird.

Übung bei Nierenstau in der Schwangerschaft: Katzenbuckel entlastet die Niere

Ansonsten rät man oft zum Liegen auf der „gesunden“ Seite, um die andere Seite beziehungsweise Niere zu entlasten. Beim Sitzen sollten man die Beine leicht spreizen und den schwangeren Bauch zwischen den Beinen ruhen lassen. Wer dabei den Rücken krümmt, schafft zusätzliche Entlastung für die Nieren.

Nierenstau Gradeinteilung

Meist spricht man beim Nierenstau nur von leichten oder schweren Nierenstaus. Aber es gibt auch eine spezielle Gradeinteilung.

Grad 1 ist der leichteste. Dabei ist das Nierenbecken nur leicht erweitert, die Nierenkelche jedoch in ihrer ursprünglichen Form.

Beim Grad 2 kommt es zu einer leichten Erweiterung von Nierenbecken, Nierenkelchen und Kelchhälsen.

Im 3. Grad kommt es zu einer deutlicheren Erweiterung des Nierenbeckens sowie der Nierenkelche.

Und der schwerste Grad ist Grad 4, bei dem es zu einer massiven Erweiterung des gesamten Nierenbeckenkelchsystems kommt.

Nierenstau beidseitig

Beidseitige Nierenstaus sind eher selten, da die Belastung auf den Nieren nie gleichmäßig ist. Das Baby bewegt sich ja auch und füllt nicht den gesamten Bauchraum gleichmäßig aus. Aber beidseitiger Nierenstau ist sehr unangenehm für die schwangere Frau, da es kaum Entlastungssituationen gibt. Das Liegen und Schlafen auf der schmerzfreien Seite zum Beispiel ist nicht möglich.

Je nach Stärke der Schmerzen können Schmerztabletten und Wärme helfen. Zudem ist bei beidseitigem Nierenstau eine regelmäßige Kontrolle beim Arzt ratsam. Denn, wenn beide Nieren nicht richtig funktioneren, könnte es schneller zu Komplikationen und auch schlimmeren Symptomen kommen, die mitunter sehr unangenehm werden.

Wenn viel Trinken, Wärme, Schmerztabletten und Entspannung oder empfohlene Übungen nichts bringen, ist meist eine Harnleiterschiene notwendig, um die werdende Mama und ihr Baby zu entlasten und mögliche Gefahren abzuwenden. Die Harnleiterschiene ist nötig, damit die Nieren richtig funktionieren und damit keine Folgeinfektionen auftreten können.

Wann ins Krankenhaus wegen Nierenstau?

Zuallererst sollte man beim Verdacht auf Nierenstau erst einmal seinen Gynäkologen, Hausarzt, Urologen oder Nephrologen aufsuchen. Das gilt schon bei den ersten typischen Symptomen, seien es Rückenschmerzen im Nierenbereich, Harnwegsinfektionen, Probleme beim Wasserlassen oder Fieber.

Schwangere Frauen gehören zur Risikogruppe für Nierenstau und sollten daher schnell handeln, wenn sie erste Symptome bemerken. Der jeweilige Arzt kontrolliert das Ganze dann und entscheidet über die weitere Behandlung oder Therapie.

Sind die Beschwerden fortgeschritten oder handelt es sich gar um unerträgliche Schmerzen muss die Betroffene stationär behandelt werden. Im Krankenhaus landet man meist, wenn eine Harnschiene gelegt werden muss. Das heißt, dann, wenn die Beeinträchtigung durch den Nierenstau zu schlimm sind oder das Kind in Gefahr schwebt. Hierbei bleibt die Schwangere zur Beobachtung noch im Krankenhaus.

Auch bei dem Verdacht auf eine Harnwegsinfektion und in fortgeschrittener Schwangerschaft könnte ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden, um das Ungeborene zu schützen. Die Bakterien der Infektion können bis in die Nieren gelangen und zu chronischen Nierenbeckenentzündungen führen. Außerdem können bakterielle Infektionen den Muttermund schwächen, das Risiko für Frühgeburten erhöhen und zu geringem Geburtsgewicht führen.

Nierenstau nach der Geburt

In der Regel geht der Nierenstau nach der Entbindung von alleine wieder weg. Das kann einige Zeit dauern, meist ein paar Wochen. Dann verschwinden auch die Symptome.

Wer dennoch nach der Geburt unter Nierenstau leidet, muss diesen behandeln lassen. Nach der Geburt ist eine andere, intensivere Behandlung möglich, da das Baby nicht mehr gefährdet ist. Meist folgt dann eine Therapie mit Antibiotikum.

Allerdings sollten weitere Ursachen für den Nierenstau ausgeschlossen werden, weshalb man nach ein bis zwei Wochen zum Arzt gehen sollte, wenn man merkt, dass die Symptome nicht besser werden.

Zusammenfassung

Nierenstau ist kein Grund zur Sorge. Gerade während der Schwangerschaft ist dieses Symptom nichts ungewöhnliches und kann sehr gut behandelt werden. Es handelt sich nicht um eine Krankheit in diesem Sinne, aber dennoch sind Nierenstaus gegebenenfalls sehr unangenehm für die betroffene Frau.

Aber auch diese Beschwerden können in der Regel gut behandelt und therapiert werden. Man sollte nur unbedingt ärztliche Kontrollen Ernst nehmen und gegebenenfalls abklären lassen, ob es sich um einen Nierenstau handelt, wenn man erste Symptome wahrnimmt. Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste, wie man so schön sagt.